Gerechtigkeit

Lied Gotteslob 644: 

  1. Sonne der Gerechtigkeit, gehe auf zu unsrer Zeit, brich in deiner Kirche an, dass die Welt es sehen kann. Erbarm dich, Herr.
  2. Weck die tote Christenheit aus dem Schlaf der Sicherheit, dass sie deine Stimme hört, sich zu deinem Wort bekehrt. Erbarm dich, Herr.
  3. Schaue die Zertrennung an, der sonst niemand wehren kann; sammle, großer Menschenhirt, alles, was sich hat verirrt. Erbarm dich, Herr.
  4. Tu der Völker Türen auf; deines Himmelreiches Lauf, hemme keine List noch Macht. Schaffe licht in dunkler Nacht. Erbarm dich, Herr.
  5. Gib den Boten Kraft und Mut, Glauben, Hoffnung, Liebesglut, und lass reiche Frucht aufgehn, wo sie unter Tränen sehn. Erbarm dich, Herr.
  6. Lass uns deine Herrlichkeit sehen auch in dieser Zeit und mit unsrer kleinen Kraft suchen, was den Frieden schafft. Erbarm dich, Herr.
  7. Lass uns eins sein, Jesu Christ, wie du mit dem Vater bist, in dir bleiben allezeit heute wie in Ewigkeit. Erbarm dich, Herr.

 

Gerechtigkeit

Alttestamentarisch: Gott ist gerecht. Sollte er, der aller Welt Richter ist, nicht nach dem Recht handeln? Genesis 1 Mose 18, 25 Gott ist gerecht für sein Bundesvolk Israel und gegen dessen Feinde. Gottes Gerechtigkeit ist sein Wille. Dein Wille geschehe! – schließt aber immer auch die Barmherzigkeit mit ein. Gott lässt dem Menschen seine Freiheit, zwingt ihn nicht, repariert durch Jesus Christus die Schöpfung. Der Mensch ist gerechtfertigt durch die Gnade Gottes, die in Jesus Christus sichtbar wurde. Jesu Forderung – sein Grundgesetz: Gottesliebe und Nächstenliebe – fordern von Gerechtigkeit ausgerichtet am Willen Gottes.„Was du nicht willst, was man dir tu, das füg auch keinem andern zu“ als goldene Regel. Wer Gerechtigkeit einfordert, muss sie auch selbst gewähren. Wer Gnade einfordert, muss sich auch selbst als gnädig anderen gegenüber erweisen – „wie auch wir vergeben unseren Schuldigern“. Unsere Frage: Was kann ich beitragen für eine gerechtere Welt? Überfordert mich der Anspruch, die ganze Welt ändern zu wollen? Ich könnte etwa die, die ungerecht behandelt werden, ermutigen – etwa in der Familie, im Bekanntenkreis, in einer Bürgeraktion. Ich könnte einen begleiten, der von einem Händler oder einer Behörde ungerecht behandelt wird, muss dabei aber meine eigenen Grenzen sehen! Wir Menschen sind ja darauf angewiesen, aus der Gerechtigkeit leben zu können. Damit schützen wir unsere eigene Menschenwürde und die der anderen. Jesus sagt (Lk 22, 25 f.):  „Die Könige herrschen über ihre Völker, und die Mächtigen lassen sich Wohltäter nennen. Bei euch soll das nicht so sein, sondern der Größte unter euch soll werden wie der Kleinste und der Führende soll werden wie der Dienende.“ Der Dienst gilt dem Leben und lockt im Menschen Fähigkeiten und Möglichkeiten hervor – Teilhabe an der Macht Gottes, die Welt liebevoll zu gestalten.

 

Lied Evangelisches Gesangbuch: [1]

  1. Geh aus, mein Herz, und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit
    an deines Gottes Gaben; Schau an der schönen Gärten Zier,
    und siehe, wie sie mir und dir sich ausgeschmücket haben.
  2. Die Bäume stehen voller Laub, das Erdreich decket seinen Staub
    mit einem grünen Kleide; Narzissus und die Tulipan,
    die ziehen sich viel schöner an als Salomonis Seide.
  3. Die Lerche schwingt sich in die Luft, das Täublein fliegt aus seiner Kluft
    und macht sich in die Wälder; die hochbegabte Nachtigall
    ergötzt und füllt mit ihrem Schall Berg, Hügel, Tal und Felder.
  4. Die Glucke führt ihr Völklein aus, der Storch baut und bewohnt sein Haus,
    das Schwälblein speist die Jungen, der schnelle Hirsch, das leichte Reh
    ist froh und kommt aus seiner Höh ins tiefe Gras gesprungen.
  5. Die Bächlein rauschen in dem Sand und malen sich an ihrem Rand
    mit schattenreichen Myrten; die Wiesen liegen hart dabei
    und klingen ganz vom Lustgeschrei der Schaf und ihrer Hirten.
  6. Die unverdroßne Bienenschar fliegt hin und her, sucht hier und da
    ihr edle Honigspeise; des süßen Weinstocks starker Saft
    bringt täglich neue Stärk und Kraft in seinem schwachen Reise.
  7. Der Weizen wächset mit Gewalt; darüber jauchzet jung und alt
    und rühmt die große Güte des, der so überfließend labt,
    und mit so manchem Gut begabt das menschliche Gemüte.
  8. Ich selber kann und mag nicht ruhn, des großen Gottes großes Tun
    erweckt mir alle Sinnen; ich singe mit, wenn alles singt,
    und lasse, was dem Höchsten klingt, aus meinem Herzen rinnen
  9. Ach, denk ich, bist du hier so schön und läßt du’s uns so lieblich gehn
    auf dieser armen Erden; was will doch wohl nach dieser Welt
    dort in dem reichen Himmelszelt und güldnen Schlosse werden!
  10. Welch hohe Lust, welch heller Schein wird wohl in Christi Garten sein!
    Wie muß es da wohl klingen, da so viel tausend Seraphim
    mit unverdroßnem Mund und Stimm ihr Halleluja singen?
  11. O wär ich da! O stünd ich schon, ach süßer Gott, vor deinem Thron
    und trüge meine Palmen: So wollt ich nach der Engel Weis
    erhöhen deines Namens Preis mit tausend schönen Psalmen.
  12. Doch gleichwohl will ich, weil ich noch hier trage dieses Leibes Joch,
    auch nicht gar stille schweigen; mein Herze soll sich fort und fort
    an diesem und an allem Ort zu deinem Lobe neigen.
  13. Hilf mir und segne meinen Geist mit Segen, der vom Himmel fleußt,
    daß ich dir stetig blühe; gib, daß der Sommer deiner Gnad
    in meiner Seele früh und spat viel Glaubensfrüchte ziehe.
  14. Mach in mir deinem Geiste Raum, daß ich dir werd ein guter Baum,
    und laß mich Wurzel treiben. Verleihe, daß zu deinem Ruhm
    ich deines Gartens schöne Blum und Pflanze möge bleiben.
  15. Erwähle mich zum Paradeis und laß mich bis zur letzten Reis
    an Leib und Seele grünen, so will ich dir und deiner Ehr
    allein und sonsten keinem mehr hier und dort ewig dienen.

 

 

[1] Textfassung nach: Evangelisches Gesangbuch. Ausgabe für die Evangelisch-Lutherischen Kirchen in Bayern und Thüringen. 2. Auflage. Evangelischer Presseverband für Bayern, München 1995, ISBN 3-583-12100-7, S. 882–884.

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