Der Baum – ein Bild für den Menschen

In allen Religionen und Kulturen ist der Baum mit Ehrfurcht betrachtet worden. Für Dichter war er immer schon ein Bild für den Menschen, und viele Religionen sehen in ihm einen Ort der Gegenwart Gottes. In Münsterschwarzach malen oder zeichnen sich die Menschen manchmal als Lebensbäume. Wie sieht sich ein Mensch? Hat er Wurzeln? Wie weit greift seine Krone aus? Ist sein Stamm gespalten?

Im Psalm heißt es: Der Mensch, der Freude hat an der Weisung des Herrn, „ist wie ein Baum, laubbaum der an Wasserbächen gepflanzt ist, der zur rechten Zeit seine Frucht bringt und dessen Blätter nicht welken.“ (Ps 1, 2 f.) Der Mensch kann sich mit seiner eigenen Lebensgeschichte im Bild des Baumes wiederfinden. Wie der Baum wurzelt der Mensch in der Erde und entfaltet seine Krone in den Himmel. Der Mensch ist ein Mensch der Erde und des Himmels. Aber manchmal hat er keine Wurzeln.  Und manchmal kann er sich nicht genügend entfalten. Die unterschiedlichen Baumarten sind Bilder verschiedener Qualitäten des Menschen. Der Laubbaum ist ein Symbol für den, der Altes loslassen muss, damit Neues wachsen kann. Der Nadelbaum ist ein Symbol für das ewige Leben, das Gott uns zu schenken bereit ist.

Die Eiche steht für die Kraft, für Männlichkeit und Beharrlichkeit, die Linde hat eher eine weibliche Bedeutung. Jeder hat sein Lieblingsbäume.

Schon in der Schöpfungsgeschichte spielt der Baum eine wichtige Rolle. In der Mitte des Paradieses stehen der Baum des Lebens und daneben der Baum der Erkenntnis von Gut und Böse. Das Neue Testament greift diese Symbolik auf; Aus dem Baum, der zu Fluch des Menschen wird, wird das Kreuz geformt. Es hebt das Unheil wieder auf. Das Kreuz ist der Baum des wahren Lebens, der im Paradies stand und der uns wegen der Vertreibung aus dem Paradies nicht mehr zugänglich war. Die frühchristliche Kunst stellt das Kreuz oft als Lebensbaum dar mit vielen bunten Ästen und vielen Vögeln darin. Der Baum des Kreuzes verbindet Himmel und Erde, Gott und Mensch, schafft Geborgenheit in der Liebe Gottes.

Unter dem Kreuz wird alles Gegensätzliche in uns eins: Mann und Frau, Himmel und Erde, Licht und Dunkel. An ihm blüht Leben für immer auf, ein Leben, das stärker ist als der Tod. Das Kreuz ist ein Bild für den Menschen, das ausgespannt ist zwischen Himmel und Erde. Er verbindet in sich alle Gegensätze, weil alles Gegensätzliche in ihm vom am Kreuz erhöhten Herrn umfangen und umarmt wird.

Die Kommentare wurden geschlossen