Predigt Jahreschlußgottesdienst

Meine lieben Mitchristinnen und Mitchristen!

Das Christentum ist eine Religion der Zeitenwende. Wir Christen verbinden unseren Glauben mit der Hoffnung auf eine neue Welt, die alles Gewesene verändert. „Dein Reich komme,“ heißt unsere immer wieder geäußerte Bitte. Aber – was sollte schon neu sein im Neuen Jahr?

Wir spüren es doch ganz deutlich: Menschen kommen und gehen. Im ersten Schrei und im letzten Verhauchen singt alles,was lebt, im Rhythmus deines Atems, o Gott, die Melodie deiner Liebe. Und nur die zählt, nur die verändert im positiven Sinn.

Von daher erhoffen wir Veränderungen, die uns gut tun. Gehen wir die heutigen Texte durch, um Spuren zu entdecken, die uns weiterbringen.

Menschen kommen und gehen. Sie treten ins Leben, wachsen heran in ihm, so dass sie schon an Wallfahrten mit teilnehmen können. Der Wallfahrer nimmt eine anstrengende Reise von Nazaret nach Jerusalem auf sich, zu der männliche Heranwachsende ab dem vollendeten 13. Lebensjahr verpflichtet waren, später auch Frauen und Kinder. Meist ging man in Dorfgemeinschaften. Der Evangelist erzählt von der Kindheit Johannes des Täufers und der des Jesus von Nazaret. Dabei überbietet er literarisch immer die Täufererzählung, um Jesus als den Sohn Gottes und den Messias und Retter herauszustellen. So schickt Johannes nach seiner Gefangennahme seine Jünger zu Jesus mit der Frage: „Bist du es, der da kommen soll, oder müssen wir auf einen anderen warten?“ Jesus  antwortet nicht direkt, sondern lässt dem Gefangenen ausrichten: Sagt dem Johannes, was ihr hört und seht: Blinde sehen, Lahme gehen, Aussätzige werden rein und den Armen wird die frohmachende Botschaft verkündet. Auf dieser Linie liegt auch die Aussage des heutigen Textes: mit Jesus ist ein Mensch in die Welt gekommen, der viel größere Bedeutung hat wie etwa die Propheten. Er kommt von Gott und ist ihm ganz nahe.

So können Sie, meine lieben Mitchristinnen und Mitchristen, am ehesten das Verhalten Jesu im Tempel verstehen. Er sucht die Nähe zu Gott, denn der schenkt ihm im heiligen Geist Kraft, Mut und Weisheit. Das Verbleiben im Tempel, das Gespräch mit den Weisen Israels schenken diesem Kind die Sicherheit, aus der er seinen Weg wird gehen können von der Krippe bis zum Kreuz mit Weggefährten, die ihn selten verstehen, die im entscheidenden Augenblick davonlaufen und es den Frauen überlassen, ihn in der Bitternis von Kreuzigung und Tod zu begleiten, um am Ostermorgen die überbordende Freude der Auferstehung weitersagen zu können.

Eine dieser Frauen haben wir hier in unserem Kirchlein dargestellt: Maria als Schutzmantelmadonna. Wir Jagstheimer haben vor ihrer Aufstellung in einer Kirchenversammlung hier im Raum beschlossen: Sie soll auf Jesus, unseren Christus schauen, auf ihn ausgerichtet werden. Ja noch mehr: sie soll Menschen zu Jesus hinführen, seine frohmachende Botschaft weitersagen und weiterleben.

Machen wir es nach dem Beispiel der Maria: Sie bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen.

Öffnen wir unsere Herzen für die Botschaft unseres Herrn. Heutzutage sind wir sein Evangelium. Wir müssen es weitersagen und vor allem weiterleben. Johannes hat uns in der heutigen Lesung einen gangbaren Weg aufgezeigt, wie Christen im Leben bestehen können. Das ist Gottes Gebot: Wir sollen an den Namen seines Sohnes Jesus Christus glauben und einander lieben, wie es seinem Gebot entspricht. Alle Gebote hat Jesus für uns in dem der Gottes- und Nächstenliebe zusammengefasst. Bewahren wir die in unserem Herzen und versuchen, daraus zu leben. Amen.

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